Press and Materials

Materials

Flyer Diaspora Mittendrin

auf Deutsch (BDB_Flyer Diaspora Mittendrin_Deutsch), Englisch(BDB_Flyer Diaspora Mittendrin_English), Französisch(BDB_Flyer Diaspora Mittendrin_Français)

Flyer Empowerment in Dealing with the Jobcenter

auf Deutsch (BDB_Jobcenter Flyer DEUTSCH), Englisch(BDB_Jobcenter Flyer ENGLISH), Französisch(BDB_Jobcenter Flyer FRANÇAIS)

Flyer Racial Profiling

auf Arabisch (Strassenaktion_Racial Profiling_Flyer_AR_April 2015), Deutsch (BDB_Racial Profiling_Flyer_Deutsch_Sept 2017), Englisch (BDB_Racial Profiling_Flyer_Englisch_Okt 2017), Französisch (BDB_Racial Profiling_Flyer_FR_Okt 2017), Portugiesisch (BDB_Racial Profiling_Flyer_PORT_Okt 2017), Spanisch (BDB_Racial Profiling_Flyer_Spanisch_Okt 2017), Türkisch (BDB_Racial Profiling_Flyer_TRK_2015), Vietnamesisch (BDB_Racial Profiling_Flyer_VIT_2015)

PressE / STATEMENTS

Clemens Tönnies rassistische Äußerungen und der Umgang des Schalke04 Ehrenamts damit

21. 08.2019

Paul Linke hat in der Berliner Zeitung einen aufschlussreichen Kommentar zur Reaktion des FC Schalke04 Ehrenrats auf Clemens Tönnies abfällige Äußerungen über Afrika und Afrikaner*innen geschrieben. Der BDB e.V. bezieht hier Stellung zu der Scheinunterscheidung, die der Ehrenrat des S04 in der Beurteilung dieser vorgenommen hat: Es handele es sich um diskriminierende, nicht jedoch um rassistische Äußerungen.

Zur Klärung würden wir gerne unterstreichen, dass es die vom Ehrenrat erklärte Unterscheidung zwischen Rassismus und Diskriminierung in diesem Fall nicht gibt – denn Tönnies Äußerungen waren eindeutig eine rassistische Diskriminierung. Diskriminierung ist ja der Überbegriff für verschiedene Formen der Herabsetzung von Menschen auf Grund unterschiedlicher zugeschriebener Merkmale. Und Rassismus ist die seit Anfang der Kolonialisierung gewachsene Ideologie und Struktur, der zufolge bestimmte Gruppen auf Grund solcher Merkmale wesensmäßig andersartig und minderwertig seien. Tönnies Äußerungen stellen eine Form von Diskriminierung dar – nämlich Rassismus.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Schalke 04 greift auf uralte rassistische und sexualisierte Stereotype über Afrikaner*innen zurück, nämlich dass diese in animalischer Art nur fortpflanzten, statt zu denken, und deshalb im Gegensatz zu Europäer*innen vermeintlich weniger menschlich seien. Damit reproduziert Tönnies klar jene Bilder, die Europäer seit Jahrhunderten über Afrika verbreiten – mit dem Ziel, den anhaltenden europäischen Einfluss auf das Schicksal der Menschen und Ressourcen des Kontinents zu rechtfertigen.

Diese Bilder bettet Tönnies in einen aktuellen Diskurs um Verantwortung für den Klimaschutz ein, indem er alle Afrikaner*innen für das Abholzen der Wälder auf dem afrikanischen Kontinent verantwortlich macht. Das ist nicht nur eine grobe Verallgemeinerung ohne irgendeine statistische Basis. Es reproduziert auch die paternalistische Vorstellung, dass die Bewohner*innen Afrikas ohne Hilfe von Europäer*innen nur sich selbst und ihre Umwelt zerstören würden, weshalb Deutschland „rettend“ eingreifen müsse. Wie absurd diese Behauptung ist, enttarnt Linke, indem er nicht nur Deutschlands beträchtliche Verantwortung für diese Abholzung trägt, betont (der Kongo ist einer Deutschlands größter Holzlieferanten) – er macht auch deutlich, dass Deutschland als einzelnes Land einen viel höheren CO2-Ausstos als der gesamte afrikanische Kontinent hat.

Der ehemalige Schalke-Profi Hans Sarpei bringt das zentrale Problem der Debatte im Nachgang des Vorfalls auf den Punkt: „Alte weiße Männer entscheiden darüber, was Rassismus ist“. Entschuldigt hat sich Tönnies mittlerweile – bei den Anhänger*innen des FC Schalke04. Eine Entschuldigung gegenüber den Menschen, die er tatsächlich abgewertet hat, hält er offensichtlich nicht für nötig.

Wir sind gespannt auf die Entscheidung der DFB-Ethikkommission und hoffen, dass, anders als im öffentlichen Diskurs, in deren Urteil die Perspektive derer Eingang findet, bei denen Tönnies sich nicht zu entschuldigen müssen meint. Kleiner Tipp: Der Zentralrat der Afrikanischen Gemeinde in Deutschland, oder der ISD als Vertretung Schwarzer Menschen in Deutschland wären ‘ne Adresse.

#tönnies #fußball #s04 #rassismus #DFB

https://www.berliner-zeitung.de/politik/meinung/kommentar-zur-toennies-entscheidung-schalke-hat-dem-gesamten-profifussball-geschadet-32977284

https://www.gq-magazin.de/entertainment/artikel/hans-sarpei-zur-causa-toennies-wo-faengt-rassismus-an?utm_source=facebook_organic&utm_medium=social&utm_campaign=organic_post

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Stellungnahme zu der Ehrung Franziska Beckers mit der Hedwig Dohm Urkunde

 25. Juni 2019

Sehr geehrte Frau Beerheide,
sehr geehrte Mitarbeitende der Geschäftsstelle des Journalistinnenbundes!

Der Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit in der Bundesrepublik Deutschland (BDB) e.V. verfolgt seit 1996 das Ziel, die Ausgrenzung und Diskriminierung von sog. „Minderheiten“ zu überwinden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Arbeit gegen Rassismus. Wir beziehen hiermit Stellung zu der geplanten Auszeichnung der Karikaturistin Franziska Becker mit der Hedwig Dohm Urkunde kommenden Samstag, den 29.06.2019.

In Gedenken an die Fraunrechtlerin Hedwig Dohm zeichnet der Journalistinnenbund seit 1991 jährlich Kolleginnen für ihr Lebenswerk aus. Wir sind der Überzeugung, dass diese Auszeichnung mit den Werten des Journalistinnenbundes in Einklang zu bringen sein müsste. Zu diesen zählt laut Ihrer Website das Engagement für „Qualitätsjournalismus, Menschen- und Frauenrechte“. Außer Frage sollte stehen, dass hierbei die Rechte allerFrauen* einzuschließen sind. Wir gehen davon aus, dass Sie diese Auffassung teilen, so ist Ihnen bspw. in Ihrem Projekt bravedie Unterstützung von Journalistinnen im islamisch geprägten, arabischen Raum ein Anliegen. Unverständlich ist uns, wie vor diesem Hintergrund Ihre Wahl auf Frau Becker fallen konnte, deren Karikaturen antimuslimische Rassismen reproduzieren.

Wir halten Frau Becker daher nicht für eine geeignete Kandidatin für diese Ehrung. Ihre Bereitschaft, die Ihnen entgegengebrachte Kritik zu disktuieren, begrüßen wir und fordern Sie hiermit dazu auf, Ihre Entscheidung zu überdenken.

Hedwig Dohm ist bekannt für Ihren Ausspruch: „Menschenrechte haben kein Geschlecht“. Ergänzend möchten wir betonen, dass Menschrechte auch nicht an Herkunft, Religion , äußere Erscheinung oder sonstige Merkmale gebunden sind.

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Reaktion auf Ihre Werbekampagne und Bitte um Stellungnahme

16. Juni 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

Wir beim BDB e.V. (Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit in der BRD) bieten seit 1996 Beratung, Trainings/Workshops und Lobbyarbeit im Bereich Antidiskriminierung an.

Wir wenden uns an Sie, um zu Ihrer aktuellen Werbekampagne Stellung zu beziehen. Anlass hierfür ist insbesondere der Werbespruch „Holma, lassma, tuma? Unsere Azubis haben noch richtige Namen“. Einer Mitarbeitenden des BDB e.V. fiel das entsprechende Plakat am 17. Juni 2019 an der Berliner Tramstation S+U Pankow auf. Sie lebt seit 22 Jahren in Deutschland und beherrscht die deutsche Sprache. Ihr erster Impuls war der Folgende: Was hat die Bundeswehr gegen Menschen mit ausländisch klingenden Namen? Wen spricht die Bundeswehr mit dieser Werbung an – wen will sie rekrutieren, wen ausschließen, und was ist die Organisationskultur, die sie so öffentlich pflegen will?

Eine weitere Mitarbeiterin interpretierte die Werbung so, wie sie wahrscheinlich gemeint ist: Bei der Bundeswehr würden die Azubis bei ihrem Namen genannt, sie seien keine Nummern und würden nicht nur herumkommandiert mit den Worten „Hole mal dieses“, „Lasse mal jenes“, und „Tue mal solches“.

Wir schildern diese Situation um zu verdeutlichen, wie unterschiedliche Interpretationen ausfallen können, je nach Positionierung und Erfahrung einer Person. Außerdem weisen wir Sie hiermit auf den exkludierenden Effekt dieser Kampagne hin: Menschen, die mit der deutschen Umgangssprache bzw. deren Verschriftlichung, bspw. auf Grund einer Migrationsgeschichte, nicht vertraut sind, könnten diese Werbung als Abwertung gewisser Namen und Ausschluss von Menschen mit nicht herkömmlich deutschen Namen verstehen. Hinzu kommt, dass Lassma, Holma und Tuma auch tatsächliche Namen sind.

Schon ein weiteres Plakat der aktuellen Werbekampagne der Bundeswehr löste eine Kontroverse aus: Der Werbespruch „Gas, Wasser, Schiessen“ war als Anspielung auf Handwerker*innenjargon gemeint, bei all jenen, die mit diesem nicht vertraut sind, weckte er jedoch Assoziationen an den Gaskrieg während des Ersten Weltkrieges oder die systematische Ermordung von Menschen im Zweiten Weltkrieg in Gaskammern.

In beiden Fällen ist die Formulierung der Werbeplakate missverständlich. Dies kann als Mangel an Reflexionsleistung oder intendierte Provokation zu werbestragtegischen Zwecken interpretiert werden. Wir gehen aber nicht davon aus, dass die Bundeswehr irgendeine bestimmte Bevölkerungsgruppe aus ihren Diensten ausschliessen will. Wir regen Sie deshalb dazu an, vor der Veröffentlichung Ihrer Werbung mehrere und verschiedene Perspektiven einzuholen, um solchen Missverständnisse künftig vorzubeugen. Dies könnte gewährleistet werden, in dem Sie z.B. Ihre Marketingabteilung vielfältiger besetzen.

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Eine Stellungnahme vom BDB e.V.* zur Veröffentlichung der Berliner Polizei von ihrer Liste von “kriminalitätsbelasteten Orten”

Am 7. Juni hat die Polizei erstmalig eine Liste von zehn Orten in Berlin veröffentlicht, die sie als “besonders gefährlich” einstufen, sogenannten “kriminalitätsbelasteten Orten” (kbOs). Wir begrüßen diese durch die Koalition durchgesetzte Transparenz über die Rechtslage von Menschen an diesen Orten. An „gefährlichen Orten“ dürfen Polizist*innen seit Jahren Menschen ohne Anlass und ohne Verdacht den Ausweis kontrollieren und durchsuchen. Weil Polizeikontrollen und -durchsuchungen einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte darstellen, gibt es klare Regeln, die festlegen, in welchen Fällen Polizist*innen diese Grenzen überschreiten dürfen. Zumindest muss nachgewiesen werden, dass eine Kontrolle bzw. Durchsuchung strafrechtliche Ermittlungen voranbringt.

In unserer jahrzehntelangen Erfahrung in der Bildungsarbeit mit Polizist*innen haben wir gelernt, dass Polizist*innen sehr wohl geschult werden, verdächtiges Verhalten zu erkennen und Verdacht zu begründen. Wenn sie aber Menschen nicht deshalb kontrollieren, weil sie konkreten Grund zum Verdacht haben, stellt sich die Frage, nach welchen Kriterien sie kontrollieren.

In der Praxis zeigt sich, dass Polizist*innen an kbOs nicht etwa jede 20. Person kontrollieren, sondern explizit beauftragt werden, bestimmte Bevölkerungsgruppen zu kontrollieren, die überdurchschnittlich in der Kriminalstatistik für diesen Ort vorkommen. Was passiert? Menschen werden einfach aufgrund ihrer äußeren Erscheinung (z.B. “Hautfarbe”, (angenommenen) Herkunft oder Religionszugehörigkeit) wiederholt aufgehalten. Ihre persönlichen Sachen werden durchgewühlt. Sie werden als potentiell Kriminelle gedemütigt.

Menschen nur aufgrund der Annahme, sie gehören einer bestimmten nationalen, “ethnischen” oder religiösen Gruppe, zu verdächtigen ist eine rassistische und menschenunwürdige Praxis. Sie verstößt dementsprechend gegen das Grundgesetz! Sie ist auch eine Vergeudung polizeilicher Ressourcen und Steuergelder, die eher auf konkrete Verdachtsmomente konzentriert werden müssen, sodass unsere Sicherheit tatsächlich erhöht wird!

Der Bund für Antidiskriminierungs- und Bildungsarbeit in der BRD (BDB e.V.) fordert die Berliner Polizei auf die Praxis anlass- und verdachtsunabhängiger Kontrollen an sogenannten “kriminalitätsbelasteten Orten” und darüber hinaus zu unterlassen!

Daher beteiligt sich der BDB e.V. aktiv an der Kampagne “Ban! Racial Profiling – Gefährliche Orte abschaffen”!

14. Juni 2017

BDB_PM Racial Profiling_2017

PK Ban Racial Profiling. Gefährliche Orte abschaffen

Grundsatzerkla_rung_Racial Profiling